Diese Seite ist eine Initiative der Studierendenschaft der Universität Bern. Weitere Informationen zu der SUB findest du hier.
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Was ist horizontale Segregation?

Horizontale Segregation beschreibt die Ungleichverteilung der Geschlechter auf verschiedene Disziplinen. Über die Hälfte der Studierenden an der Universität Bern sind Frauen*. Innerhalb der verschiedenen Studiengänge herrscht jedoch ein starkes Ungleichgewicht bezüglich der Männer- und Frauen*anteile. Daraus lässt sich ableiten, dass die Studienwahl stark geschlechtsspezifisch geprägt ist.

So sind beispielsweise an der Uni Bern 81% der Studierenden an der Vetsuisse-Fakultät Frauen*, wobei der Frauen*anteil der WISO-Fakultät bei nur 40% liegt. An einzelnen Fächern ist die Diskrepanz noch besser ersichtlich. Am deutlichsten kommt die Kluft zwischen den Geschlechtern bei den sogenannten Exakten Wissenschaften und Naturwissenschaften zum Tragen. So beträgt der Frauen*anteil auf Bachelorstufe im Fach  Informatik nur 16%. Im Gegensatz dazu sind Frauen* in Erziehungswissenschaft mit einem Anteil von 81% viel stärker vertreten als Männer. Die Ungleichverteilungen durch horizontale Segregation an Hochschulen zeigen sich auch auf nationaler und internationaler Ebene in einem ähnlichen Ausmass.

Ursachen von horizontaler Segregation

Die Ursachen für horizontale Segregation sind vielfältig und es existieren verschiedene Theorien und Studien zur Begründung des Phänomens. Einige davon gehen zurück auf die Humankapitaltheorie von Becker (1975), die besagt, dass die Studienfachwahl primär von den zu erwartenden Arbeitsmarktchancen nach Studienabschluss abhängen. Frauen* würden demnach vermehrt Berufe wählen, die beispielsweise mit familienbedingten Erwerbsunterbruch vereinbar sind und gute Wiedereinstiegsmöglichkeiten bieten.

Nach Akerlof (1997) erhöhen sich die sozialen Kosten der sozialen Distanz zwischen dem Herkunftsmilieu und dem durch die Bildungsentscheidung neuen sozialen Milieu. Die Entscheidung von Frauen* zugunsten männlich dominierter Studienfächer könnte für sie mit höheren sozialen Kosten verbunden sein. Durch die Bildungsexpansion gelangen vermehrt Individuen aus bildungsfernen Herkunftsfamilien an die Universitäten. Unterschiedliche Bildungsaspirationen, sowie geringere Förderung können die horizontale Segregation begünstigen.

Weitere Ansätze sehen in der Sozialisation die Ursache für die geschlechterspezifische Präferenz von Studienfächern. Soziale, ökonomische, politische und kulturelle Kontexte sowie vorherrschende gesellschaftliche Normen und Strukturen prägen die Resultate individueller Entscheidungen wie die Studienwahl. Geschlechterstereotypen und traditionelle Rollenbilder beeinflussen die horizontale Segregation massgeblich und haben einen grossen Einfluss auf die Gesellschaft. Stereotypen sind simplifizierte Vorstellungen über Menschen, die aufgrund von Merkmalen bestimmten Gruppen zugeordnet und mit gewissen Eigenschaften verknüpft werden. Stereotypen dienen der Vereinfachung und Orientierung in einer komplexen, sich wandelnden Welt. Sie tragen jedoch zur Festigung und Reproduktion von dominanten gesellschaftlich-kulturellen Wertungen bei, die mit Privilegien und Benachteiligungen verbunden sind.

WAS TUN?

Die Uni Bern setzt sich mit Aktivitäten wie dem Nationalen Zukunftstag, dem Schnuppertag für Mittelschülerinnen* dafür ein, Stereotype aufzubrechen und die horizontale Segregation abzuschwächen. Doch die alleinige Sensibilisierung der jungen Menschen in Bezug auf die Problematik reicht nicht aus. Horizontale Segregation betrifft nicht allein junge Menschen bei der Studien- oder Berufswahl. Das Aufbrechen von gesellschaftlichen Strukturen und das Hinterfragen von gängigen Stereotypen sind ebenso wichtig. Um der horizontalen Segregation entgegenzuwirken bedarf es stärkerer Sensibilisierung der Öffentlichkeit von Seiten des Bundes, der Kantone, der Hochschulen und Studierendenschaften.

Folgen von horizontaler Segregation

Wenn Frauen* und Männer unterschiedlich stark in verschiedenen Studiengängen vertreten sind, werden bestimmte Fächer vom jeweiligen Geschlecht dominiert. Die Konzentration von Frauen* bzw. Männern in bestimmten Studiengängen hat negative Konsequenzen im Hinblick auf die Chancengleichheit und fördert Benachteiligungen und Ungleichheiten in verschiedensten Formen (z.B. in Form von Lohnungleichheit, vertikaler Segregation etc.) Sie schränkt somit die echte Wahlfreiheit bezüglich eines Studiengangs ein und bestehende Geschlechterverhältnisse werden reproduziert.